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Inspirierende Ansätze

Halle (Saale)‘Welcome-Treff’ - Unterstützung und Austausch für Geflüchtete und Alteingesessene

Was ist inspirierend?

Als sich die Verwaltung Halles weigerte, ein vom Stadtrat vorgeschlagenes Willkommenszentrum zu eröffnen, übernahm eine zivilgesellschaftliche Gruppe die Initiative und eröffnete ein Begegnungscafé für Geflüchtete und Alteingesessene. Dieses Café ist bis heute ein beliebter Treffpunkt und bietet verschiedene Unterstützungsleistungen an: Vom Erlernen und Sprechen der deutschen Sprache, über das Ausfüllen von Formularen für Behörden bis hin zur Arbeitsplatzbewerbung. An manchen Tagen ist das Café länger geöffnet und lädt zu informellen Austauschmöglichkeiten durch Spieleabende oder Sport ein. Die Freiwilligen-Agentur Halle-Saalkreis e.V. und die Stadt Halle betreiben das Zentrum gemeinsam.

Wie funktioniert das Projekt?

Das ‘Welcome-Treff’ vermittelt Freiwillige als persönliche Lotsen für Geflüchtete, die durch Erstinformationen, Beratung und Übersetzungen unterstützen. Die Lotsen helfen zudem bei alltäglichen Terminen, Behörden- und Arztbesuchen, bei der Suche nach Sprachkursen oder bei der Anmeldung von Kindern in Kindergarten oder Schule. Eine Veranstaltungsreihe mit dem Titel ‘Gesellschaft und Integration’ bietet kostenlose Bildungsangebote zu verschiedenen Themen an.

Was ist das Ergebnis?

In den letzten Jahren trafen sich mehrere Inklusionsinitiativen - darunter ein Frauencafé und die lokale Gruppe ‘Solidarity City’ - im ‘Welcome-Treff’ und das Café entwickelte sich so zu einem Hotspot der antirassistischen Zivilgesellschaft in Halle. Im Jahr 2020 wurde das ‘Welcome-Treff’ mit dem Deutschen Nachbarschaftspreis ausgezeichnet. Laut Jury ist das Projekt ein Beispiel für mehr Vielfalt mit überregionaler Strahlkraft.

Wer hat das Projekt initiiert? Wie?

Im September 2015 beauftragte der Stadtrat den Bürgermeister, ein Konzept für ein ‘Welcome Center’ für Asylbewerber:innen, Geflüchtete, EU-Bürger:innen und internationale Studierende zu entwickeln. Es sollte die Funktionen einer Registrierungsstelle, einer Einwanderungsbehörde, einer Wohnungsvermittlung, Unterstützung bei Kinderbetreuung, Schulbesuch, Studienmöglichkeiten, Beratung zu Lebenshaltungskosten und Informationen über die Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen zusammenführen. Der genehmigte Antrag wurde letztlich aufgrund einer Weigerung des Bürgermeisters, dem Antrag nachzukommen, nie umgesetzt. Nur wenige Monate später gründete die lokale Zivilgesellschaft das ‘Welcome-Treff’, das inzwischen große Teile des geplanten kommunalen ‘Welcome Center’ anbietet.

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