Moving Cities
Inspirierende Ansätze

Rottenburg‘Neustart im Team’ - Privat geförderte Aufnahme Geflüchteter

Was ist inspirierend?

Städte aus der Solidarity Cities-Bewegung gehen auf verschiedene Arten und Weisen damit um, dass die Kommunen noch kein Mitspracherecht bei der (zusätzlichen) Aufnahme von Geflüchteten haben. Rottenburg hat sich - neben anderen Strategien - dazu entschieden, an einem Projekt zur privat geförderten Aufnahme Geflüchteter teilzunehmen. Dies war auch ein wichtiges politisches Signal um die Debatte über die kommunale Aufnahme weiterzuführen.

Wie funktioniert das Projekt?

Im Oktober 2020 rief die Stadt Rottenburg ihre Bürger:innen dazu auf, sich an dem Projekt ‘Neustart im Team’ (NesT) zu beteiligen. Gesucht wurden Freiwillige aus der Zivilgesellschaft, um mit einer Gruppe aus mindestens fünf Personen eine geflüchtete Person oder eine Flüchtlingsfamilie über einen Zeitraum von zwei Jahren bei der Inklusion zu begleiten. Vor der Ankunft der Geflüchteten sucht die Gruppe für sie eine Wohnung auf der Grundlage des örtlichen Sozialhilfesatzes. Die Gruppe zahlt im Voraus - aus eigener Tasche - auf ein separates Konto ein, das die Kaltmiete für zwei Jahre abdeckt. Außerdem unterstützt die Gruppe die Geflüchteten im Umgang mit den Behörden. Die ‘NesT’-Flüchtlinge müssen in Deutschland keinen Asylantrag stellen, sondern werden im Rahmen des so genannten ‘Resettlement’-Programms aufgenommen.

Was ist das Ergebnis?

‘Neustart im Team’ ist ein Pilotprojekt, das 2019 vom verschiedenen zivilgesellschaftlichen Akteuren, dem Bundesinnenministerium und dem UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR ins Leben gerufen wurde. Anders als bei den sogenannten ‘Flüchtlingsbürgschaften’, bei denen privaten Bürgen für die gesamten Aufnahmekosten haften, wissen die ‘NesT’-Pat:innen von Anfang an genau, wie viel sie finanziell beitragen müssen. Die übrigen Kosten der Aufnahme, insbesondere Sozialleistungen und Versicherungen, trägt der Staat. Die Stadt Rottenburg und der Landkreis Tübingen unterstützen die Freiwilligen auf verschiedene Weise. Die Stadt hilft zum Beispiel bei der Wohnungssuche, während der Landkreis die ehrenamtliche Arbeit im Rahmen des ‘Integrationsmanagements’ unterstützt. Dabei handelt es sich um Flüchtlingssozialarbeiter:innen, die vom Land Baden-Württemberg bezahlt werden. Bei finanziellen Engpässen haben die ‘NesT’-Mentor:innen die Möglichkeit, Zuschüsse bei der Stadt Rottenburg zu beantragen.

Wer hat das Projekt initiiert? Wie?

Nachdem die Zahl der ankommenden Geflüchteten im Sommer 2015 stark anstieg, startete Rottenburg ein eigenes Patenschaftsprojekt. Zu diesem Zeitpunkt waren rund 30 hauptamtliche Sozialarbeiter:innen im Einsatz – für fast 600 Geflüchtete. Umgerechnet auf die Wochenarbeitszeit waren das kaum mehr als 1,5 Stunden Betreuung pro Person. Aus diesem Grund begann die ‘Flüchtlingskoordinator:in’ der Stadt interessierte Bürger:innen zu suchen, die den Neuankömmlingen neben den zahlreichen bestehenden Gruppenaktivitäten auch auf individueller Ebene helfen können.

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