Moving Cities
Inspirierende Ansätze

TilburgDer regionale Flüchtlingsbeirat: ‘Nichts über uns ohne uns’

Was ist inspirierend?

Die Verantwortlichen in Tilburg betonen, dass ein Bottom-up-Ansatz (‘learning by doing’) ihre Migrationspolitik kennzeichnet. Die Perspektiven der Geflüchteten in Tilburg sind für diesen Prozess der Feinabstimmung bestehender und künftiger Projekte der Gemeinde von zentraler Bedeutung. Der regionale Flüchtlingsbeirat besteht aus 12 Mitgliedern und trifft sich monatlich. Er orientiert sich an den Leitlinien des Europäischen Migrant:innenbeirats. Expert:innen des niederländischen Städtenetzwerks erkennen den Rat als vorbildliches Beispiel für eine partizipative Bottom-up-Politikgestaltung an.

Wie funktioniert der Rat?

Die Stadtverwaltung bat den Rat, einen Bericht über ihre Politik für anerkannte Geflüchtete zu verfassen. Jedes Mitglied konzentrierte sich dabei auf ein bestimmtes Thema, um verschiedene Aspekte der Erfahrungen von Geflüchteten mit Tilburgs Politik zu untersuchen. Im Vergleich zum ersten Versuch in Tilburg ist dieser regionale Flüchtlingsrat weniger heterogen, dafür aber strukturierter. Die meisten Mitglieder sprechen Englisch und/oder Niederländisch und viele haben einen höheren Bildungshintergrund. Der Beirat wird von einer vorsitzenden Person koordiniert, die selbst einen Migrationshintergrund hat und bei der Stadtverwaltung arbeitet. Laut den Verantwortlichen in Tilburg trugen diese Struktur sowie das Engagement und die Fachkenntnisse des Vorsitzes zum Erfolg des Beirats bei.

Was ist das Ergebnis?

Im ersten Jahr seines Bestehens gab der Beirat einen Bericht heraus, in dem verschiedene Dimensionen der Tilburger Flüchtlingsprogramme detailliert beschrieben und geprüft wurden. Der Bericht wies auf Probleme und ungenutztes Potenzial in der lokalen Politik hin, aber der Beratungsprozess war eine Herausforderung. Dies lag zum Teil am Format, einem langen schriftlichen Bericht. Nach Rücksprache mit dem Vorsitzenden und den Mitgliedern des Beirats entschieden sich Tilburg und seine regionalen Partnerkommunen für ein alternatives Format: Der Beirat bietet nun kontinuierlich angeforderte und selbst initiierte Beratung zu spezifischen Projekten und politischen Maßnahmen durch Fokusgruppen-Sitzungen an. Im Jahr 2020 half der Beirat bei der Verbesserung und Überprüfung der Zugänglichkeit der kommunalen Kommunikation. Außerdem lieferte er Beiträge zur Entwicklung einer gemeinsamen Vision für die bürgerschaftliche Integration der Gemeinden in der Region ‘Herz von Brabant’.

Wer hat das Projekt initiiert? Wie?

Im Jahr 2018 beschlossen Tilburgs Verantwortliche nach einem Treffen in Brüssel einen Flüchtlingsbeirat zu initiieren. Dadurch sollten die Perspektive von Geflüchteten bei der Politikentwicklung in Tilburg strukturell besser berücksichtigt werden. Die unmittelbare Inspiration war der Europäische Migrantenbeirat (EMAB) und der Tilburger Rat nahm seine Arbeit unter dem Motto „Nichts über uns ohne uns“ auf. Ende 2018 stellte sich heraus, dass dieser erste Versuch zu ergebnisoffen gestaltet war und es an einer klaren Koordination mangelte. Im März 2019 wurde dieser ersten Beirat durch einen regionalen Flüchtlingsbeirat ersetzt.

Alle inspirierenden Ansätze